finat

Naturschutz und Binnenfischerei: Ausma und Folgen klassischen Fischereimanagements fr natrliche und naturnahe Bioznosen


Das Projekt "finat" wurde in den Jahren 2000 - 2001 als F+E-Projekt im Auftrag des
Bundesamtes fr Naturschutz durchgefhrt. Das Anliegen bestand darin, auf der Grundlage von Recherchen und Literaturstudien den Einfluss der Binnenfischerei und speziell von Besatzmanahmen auf die Lebensgemeinschaften der aquatischen kosysteme einzuschtzen.

Im Rahmen dieses Projektes erfolgte eine intensive Analyse der aktuellen deutschsprachigen und auslndischen wissenschaftlichen Literatur, von zur Verfgung gestellten oder selbst recherchierten Fischerei- und Naturschutzstatistiken und unterlagen sowie von Internetadressen. Insgesamt wurden ber 1000 Literaturstellen ausgewertet und von 637 relevanten Publikationen im Rahmen einer Datenbank eine Zusammenfassung zu den wichtigsten im Projekt bearbeiteten Fragen erstellt.

Die Analyse der nationalen und internationalen Regelungen zum Besatz zeigte den notwendigen Regelungsbedarf in verschiedenen deutschen Fischereigesetzen oder verordnungen. Dies betrifft notwendige Begriffsbestimmungen (heimisch; gebietsfremd), die Aktualisierung der Artenschutzregelungen in den Fischereiverordnungen, die Gewhrung von Ausnahmen in geschlossenen oder ihnen entsprechenden Gewssern und die Konsequenzen aus der knftig nachhaltigeren Bewirtschaftung der Gewsser. Auch in Naturschutzgebieten und in Gewssern mit anderen Schutzkategorien wird in der Regel eine fischereiliche Bewirtschaftung durchgefhrt. Dabei werden spezielle Schutzziele fr Fische kaum und Einschrnkungen des Besatzes nach unserer Analyse in zwei Bundeslndern nur unzureichend durchgesetzt.

Der fischereiliche Besatz zur Aufrechterhaltung oder Steigerung der Produktion ist gegenwrtig und vermutlich auch in der Zukunft die bedeutendste Form des Aussetzens von Fischen in unseren natrlichen Gewssern. Das wird sowohl aus dem Umfang des gezielten fischereilichen Besatzes als auch aus den Recherchen zur lokalen Verfrachtung in Deutschland heimischer Arten auerhalb ihres natrlichen Verbreitungsgebietes, zum Besatz mit allochthonen Arten und zum Besatz mit dem Ziel der Wiederbesiedlung ersichtlich. Im Rahmen der guten fachlichen Praxis muss der oft auch konomisch nicht sinnvolle Besatz in Frage gestellt werden. Auf der Grundlage einer Auswertung von Fischereistatistiken und der wissenschaftlichen Literatur wurde deutlich, dass in vielen Fllen auf Besatz verzichtet werden kann. Das muss knftig in den Festlegungen zur guten fachlichen Praxis bercksichtigt werden.

Ein Groteil unserer heimischen Arten wird durch gezielte fischereiliche Aktivitten und andere Ausbreitungswege auerhalb ihres natrlichen Verbreitungsgebietes in anderen Gewssereinzugsgebieten in Deutschland verbreitet. Dies wird weder durch die bestehenden Regelungen noch durch die berwachung durch Fischerei- und Naturschutzbehrden wirkungsvoll eingedmmt. Daher sollte das Aussetzen heimischer Arten auerhalb ihres natrlichen Einzugsgebietes durch gesetzliche Festlegungen im Naturschutz- und Fischereirecht besser verhindert werden. Der gezielte fischereiliche Besatz mit allochthonen Arten oder die anderweitige Ausbreitung dieser Arten hat in den letzten Jahrzehnten ein erhebliches Ausma erreicht. Im Rahmen der fischereilichen Nutzung werden auch bei Betrachtung neuerer fischereilicher Strategien allochthone Arten knftig vermutlich immer wieder in natrliche Gewsser gelangen. Die Anzahl der Arten, die selbstreproduzierende Bestnde aufbauen, steigt. Auch bisher unproblematische Arten wie die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) bilden zunehmend selbstreproduzierende Bestnde. Es ist damit zu rechnen, dass ber weitere Ausbreitungswege neben den bekannten Arten neue Arten mit bisher unbekannten Auswirkungen und Parasiten und eingeschleppte neue Krankheiten eine zunehmende Rolle spielen werden. Notwendig ist eine strkere berwachung der Fischbestnde zur Beobachtung des Ausmaes der Einwanderung allochthoner Arten. Auerdem sind die strkere Anwendung von Besatzverboten, der gezielten Beseitigung von Populationen, die strkere Koordinierung zwischen den Lndern bzw. die Schaffung nationaler Zustndigkeiten zu empfehlen.

In den letzten Jahren hat es eine starke Zunahme von Wiederbesiedlungsaktionen von Fischen gegeben. Mit Ausnahme weniger Groprojekte werden nach unserer Recherche die anerkannten Grundstze und die wissenschaftliche Betreuung nur unzureichend realisiert.

Innerartliche Gefhrdungen durch Besatz haben ihre Ursachen in der Introgression von Genen und der innerartlichen Hybridisierung, in Bottleneck-Situationen, in der Verringerung der genetischen Diversitt, in Unklarheiten ber den Artstatus des Besatzes und im Einsatz transgener Fische sowie steriler oder polyploider Zuchtbestnde. Auch Sekundrwirkungen durch Habitat- und Nahrungskonkurrenz und durch eingeschleppte Parasiten und Krankheiten stellen fr die auchtochthonen Bestnde eine Gefahr dar. Auerdem kann durch Besatz auch eine Gefhrdung anderer Arten auftreten. Hierzu gibt es gengend Belege fr das Auftreten von Hybriden zwischen verschiedenen Arten infolge des Besatzes. Die meisten Studien belegen jedoch negative Auswirkungen auf die heimische Art durch die erfolgreiche Habitat- und Nahrungskonkurrenz der Besatzart oder durch das bertragen von Krankheiten oder Parasiten. Gefordert wird ein einzugsgebietsweises Management, die Einhaltung von populationsgenetischen Grundstzen bei Besatz- und Wiederbesiedlungsprogrammen, die Errichtung von Genbanken, die Ausweisung von Schutzgebieten fr gefhrdete Populationen, die Beseitigung allochthoner Populationen, ein sicherer Umgang mit transgenen Tieren, die Konzentration der Forschung auf Fragen der Ausbreitung von Neozoen und die Analyse der kologischen Konsequenzen sowie ein Monitoring der heimischen und allochthonen Fischbestnde. Zum Schutz ursprnglicher Fischgemeinschaften einzelner Gewsser mit z.T. sehr unterschiedlicher Artendiversitt sollten Besatzaktionen hier grundstzlich unterbleiben.

Berichte und Publikationen

Waterstraat, A. & Linke, C. (2006): Grundlagen, Mglichkeiten und Grenzen der Ausweisung von Prozessschutzgebieten in Seen. Artenschutzreport 19(Sonderheft Fischartenschutz): 36-42.

Waterstraat, A., Krappe, M., Debus, L., Brst, A. (2002): Ausma und Folgen des fischereilichen Besatzes fr natrliche und naturnahe Bioznosen. BfN - Skripten 65: 136 S.

Waterstraat, A. (2002): Fischbesatz in natrlichen Gewssern Deutschlands. Natur und Landschaft 11(77) S. 446-454.

Waterstraat, A. (2001): Einwanderung neuer und Rckkehr verschwundener Fischarten nach Deutschland aktuelle Prozesse mit Auswirkungen auf die heimische Fischfauna?. Beitrge zur Jagd- und Wildforschung 26:399-415.